Helmholtz-Gemeinschaft

Metabolomics erobert Diabetes-Forschung

Das Genomanalysezentrum am Helmholtz Zentrum München stellt moderne Technologien für Genom-, Proteom- und Metabolom-Analyse zur Verfügung. Foto: Helmholtz Zentrum München
Das Genomanalysezentrum am Helmholtz Zentrum München stellt moderne Technologien für Genom-, Proteom- und Metabolom-Analyse zur Verfügung. Foto: Helmholtz Zentrum München

Das Risiko für Diabetes oder andere Stoffwechselerkrankungen steigt enorm, wenn ungesunde Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Bewegung mit einer genetischen Veranlagung zusammen kommen. Forscher vom Helmholtz Zentrum München haben Varianten von bekannten Diabetes-Risikogenen und weiteren Genen entdeckt, die sie erstmals eindeutig mit Störungen im Fettstoffwechsel in Zusammenhang bringen konnten. Ihre Forschungsergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis des Krankheitsbildes und der Entstehung von Diabetes bei und könnten auch die Entwicklung neuer Ansätze für Frühdiagnose und Therapie ermöglichen.

Professor Dr. Karsten Suhre vom Institut für Bioinformatik und Systembiologie am Helmholtz Zentrum München arbeitet auf dem neuen Gebiet der „Metabolomics“. Er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untersuchen dabei Zusammensetzung und Konzentration von Stoffwechselprodukten des Körpers, den so genannten Metaboliten. Die Zusammensetzung der Metaboliten hängt dabei von der genetischen Ausstattung ab. So weisen Personen mit anderen Varianten von Diabetes-Risikogenen auch eine entsprechend unterschiedliche Zusammensetzung und Aktivität von Enzymen auf, die durch diese Gene kodiert sind. Und dies wirkt sich direkt auf die Konzentration von Stoffwechselprodukten im Serum aus. Unterschiedliche Stoffwechselprofile werden auch Metabotypen genannt. Der Metabotyp eines Menschen beruht also auf der genetischen Veranlagung und wird durch Ernährung und Lebensstil beeinflusst.

Vor diesem Hintergrund hat das Forscherteam um Suhre gemeinsam mit den Münchener Forschern Dr. Christian Gieger, Dr. Thomas Illig und Professor Dr. Jerzy Adamski die Konzentrationen von über 150 Stoffwechselprodukten in Blutproben von 1.800 Teilnehmern der Bevölkerungsstudie KORA untersucht. KORA steht für „Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg“ und wird von Professor Dr. Dr. H.-Erich Wichmann, Helmholtz Zentrum München, geleitet. Die Stoffwechselprofile wurden mit den genetischen Varianten der Probanden verglichen und dazu in Beziehung gesetzt. Erstmalig konnten die Helmholtz-Forscher mit ihrer Studie einen direkten Zusammenhang zwischen Genvarianten und Unterschieden im Stoffwechselhaushalt aufzeigen. „Die Verknüpfung von Genetik und Stoffwechselendprodukten ist neu und bringt uns bei der Suche nach Markern für die Früherkennung und Therapie von schweren Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Diabetes einen entscheidenden Schritt weiter“, so Karsten Suhre. „Eine Identifizierung von genetisch bedingten Variationen im Stoffwechselhaushalt kann in Zukunft zur individuellen Vorhersage von Risiken hinsichtlich bestimmter Erkrankungen, Reaktionen auf Medikamentenbehandlung sowie Ernährungs- oder Umwelteinflüsse beitragen.“

Die Ergebnisse aus der Metabolomics-Forschung zeigen, welche physiologischen Auswirkungen bestimmte Genvarianten haben. „Metabolomics wird dabei helfen, Gesundheitsrisiken für bestimmte Erkrankungen wesentlich differenzierter zu bestimmen als es bisher anhand von Genanalysen möglich war – insbesondere für solche Krankheiten, die eng mit dem Stoffwechsel zusammenhängen“, sagt Karsten Suhre. Dazu gehören Volkskrankheiten wie Diabetes, Gicht oder eine Verengung der Herzkranzgefäße, die häufig zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen. Suhre: „Mit diesem Wissen können Patienten zukünftig gezielter behandelt werden, weil ihre Reaktionen auf Medikamente aber auch der Einfluss der Ernährung und der Umwelt präziser eingeordnet werden können. Unsere Forschungsergebnisse sind ein erster Schritt hin zu einer individualisierten Medizin und Ernährung.“

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Listeria monocytogenes können menschliche Darmzellen befallen und dort schwere Infektionen auslösen. Foto: HZI/M. Rohde

Wie schaffen es Krankheitserreger eigentlich, die Abwehrbarrieren des menschlichen Körpers zu überwinden und den Organismus zu befallen? Dieser Frage geht das Team um Professor Dr. Dirk Heinz im Bereich Strukturbiologie des HZI nach.

Zum vollständigen Artikel 'Was Strukturbiologie und Wundheilung verbindet'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Salmonellen wandern binnen 24 Stunden gezielt in das Tumorgewebe ein. Foto: HZI

Salmonellen sind bakterielle Krankheitserreger, die sich bei warmem Wetter in unzureichend gegarten Eierspeisen rasant vermehren – mit den allseits bekannten und berüchtigten Folgen. Was weit weniger bekannt, aber nicht weniger interessant ist: Salmonellen haben neben Eis und Eierspeisen auch eine Vorliebe für Tumorgewebe.

Zum vollständigen Artikel 'Mit Salmonellen gegen Krebs'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Die Helmholtz-Forscher untersuchen Hirntumoren bei Kindern, hier ein Medulloblastom. MRT-Aufnahme: DKFZ

Das Genom ist das im Zellkern jeder Zelle gespeicherte Erbmaterial, das aus einer Abfolge von 3,2 Milliarden Bausteinen der DNA besteht. Im Jahr 2003 legte ein internationales Forscherteam das komplett entschlüsselte menschliche Genom vor und beendete damit die Arbeit des 1990 begonnenen Humangenomprojekts.

Zum vollständigen Artikel 'Auf dem Weg zu einer individualisierten Krebstherapie'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

In vitro kultivierte blutbildende Zellen der Maus. Foto: MDC/S. Ghani

Blutzellen leben nur eine begrenzte Zeit. Deshalb bildet der Körper Blutzellen immer wieder neu. Ihr Reservoir sind die Blutstammzellen. Ob aus einer Blutstammzelle bei der Zellteilung erneut eine Stammzelle wird oder ob sich verschiedene Blutzellen entwickeln, hängt von einem chemischen Vorgang ab, den Forscher schon lange kennen.

Zum vollständigen Artikel 'Wie das Schicksal von Blutstammzellen gesteuert wird'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Genetisch veränderte Mäuse, die das Entzündungsenzym COX-2 im Überschuss bilden, bleiben im Gegensatz zur normalen Mäusen auch bei fettreicher Kost schlank. Foto: DKFZ

Normalerweise sorgt die Regulation des Stoffwechsels für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, so dass das Körpergewicht weitgehend stabil bleibt. Bei zunehmender Fettleibigkeit wird mehr Energie im so genannten weißen Fettgewebe gespeichert als verbraucht. Braunes Fettgewebe hat dagegen eine andere Funktion, es wandelt Energie in Wärme um.

Zum vollständigen Artikel 'Braunes Fettgewebe als Schlankmacher'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Diese MRT-Aufnahmen von CADASIL-Patienten (hier aus dem King Faisal Hospital, Saudi-Arabien) zeigen kleinere Infarkte. Foto: King Faisal Specialist Hospital, Riyadh, Saudi Arabia/K. Abu-Amero, S. Bohlega

Etwa 250.000 Menschen pro Jahr haben in Deutschland einen Schlaganfall. Die Mehrzahl der Betroffenen leidet anschließend unter Folgeschäden wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. Forscher um Professor Dr. Norbert Hübner vom MDC haben in Zusammenarbeit mit französischen Kollegen nun ein Mausmodell entwickelt, mit dem sich Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls genau untersuchen lassen.

Zum vollständigen Artikel 'Maus steht Modell für Schlaganfallpatienten'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Dr. Francesca Alessandrini untersucht, wie Feinstaub allergische Reaktionen beinflussen kann. Foto: Helmholtz Zentrum München

Eine Belastung durch Feinstaub führt häufig zu einer Verschlimmerung von allergischem Asthma. Dieser Zusammenhang ist aus epidemiologischen Studien bereits recht gut bekannt. Welche Rolle dabei ultrafeine Partikel spielen, wollten Dr. Francesca Alessandrini und ihre Kollegen vom Helmholtz Zentrum München und vom ZAUM Zentrum Allergie und Umwelt der Technischen Universität München genauer untersuchen.

Zum vollständigen Artikel 'Ultrafeine Partikel verschlimmern Asthma'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans lassen sich Alterungsprozesse wie im Zeitraffer verfolgen. Foto: DZNE

Die Bevölkerung altert zunehmend. Obwohl ein gesundes Altern immer häufiger ist, nimmt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen mit dem Alter zu. Bereits heute leiden in Deutschland rund eine Million Menschen an einer Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl - bedingt durch die steigende Lebenserwartung - bis auf das Dreifache erhöhen.

Zum vollständigen Artikel 'Altern im Zeitraffer'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Viele Ältere fragen sich bei Gedächtnisproblemen, ob es sich dabei um die normale Altersvergesslichkeit handelt oder bereits um Anzeichen einer Demenz. Zur Diagnose dienen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT), die strukturelle oder molekulare Veränderungen im Gehirn darstellen können. Ein negativer Befund wiegt die Patienten aber in falscher Sicherheit – nicht jede Veränderung kann damit festgestellt werden.

Zum vollständigen Artikel 'Frühwarnsystem für neurodegenerative Erkrankungen'

11.06.2013