Helmholtz-Gemeinschaft

Maus steht Modell für Schlaganfallpatienten

Diese MRT-Aufnahmen von CADASIL-Patienten (hier aus dem King Faisal Hospital, Saudi-Arabien) zeigen kleinere Infarkte. Foto: King Faisal Specialist Hospital, Riyadh, Saudi Arabia/K. Abu-Amero, S. Bohlega
Die MDC-Forscher untersuchen die erblich bedingte Erkrankung CADASIL am Mausmodell. Etwa 4 von 100.000 Menschen leiden daran. Diese MRT-Aufnahmen von CADASIL-Patienten (hier aus dem King Faisal Hospital, Saudi-Arabien) zeigen kleinere Infarkte. Foto: King Faisal Specialist Hospital, Riyadh, Saudi Arabia/K. Abu-Amero, S. Bohlega

Etwa 250.000 Menschen pro Jahr haben in Deutschland einen Schlaganfall. Die Mehrzahl der Betroffenen leidet anschließend unter Folgeschäden wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. Forscher um Professor Dr. Norbert Hübner vom MDC haben in Zusammenarbeit mit französischen Kollegen nun ein Mausmodell entwickelt, mit dem sich Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls genau untersuchen lassen.

Ausgegangen sind die Forscher dabei von der erblich bedingten Erkrankung CADASIL (Cerebral Autosomal Dominant Arteriopathy with Subcortial Infarcts and Leukoencephalopathy). CADASIL kann zu einer Form des Schlaganfalls führen, die vor allem die kleinsten Blutgefäße betrifft. Im Gegensatz zum klassischen Hirninfarkt, der häufig durch eine Arteriosklerose verursacht wird, hängt CADASIL mit Veränderungen in einem Gen zusammen, das „Notch 3“ genannt wird. CADASIL gehört zu den häufigsten genetisch verursachten Hirninfarkten, zählt aber dennoch zu den selteneren Krankheiten: Von 100.000 Einwohnern sind etwa vier Menschen betroffen. Ein frühes Symptom sind migräneartige Kopfschmerzen, die durch die charakteristischen Gefäßverengungen ausgelöst werden. Über die Jahre kommt es zu wiederholten kleinen Schlaganfällen, die letztlich zu einem Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit bis hin zur Demenz führen. Eine wirksame Behandlung gibt es bisher nicht. Zur Vorbeugung der Schlaganfälle wird - neben der Gabe von Acetylsalicylsäure - geraten, mögliche Risikofaktoren zu minimieren und Werte wie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im optimalen Bereich zu halten.

Dennoch spielt CADASIL in der medizinischen Forschung eine wichtige Rolle: „Es hat Modellcharakter für andere epidemiologisch bedeutsame Krankheitsbilder wie dem mikroangiopathischen Schlaganfall, bei dem kleinste Blutgefäße verengt sind oder der vaskulären Demenz, bei der die Durchblutung des Gehirns gestört ist. Wegen der ähnlichen Pathologie können wir von dieser speziellen Erkrankung sehr viel lernen“, sagt Hübner. Mit Hilfe eines künstlichen Chromosoms konnten die MDC-Forscher ein verändertes menschliches Notch 3-Gen erfolgreich in eine Maus einführen. Dazu bauten sie das veränderte Notch3-Gen in ein künstliches ringförmiges Chromosom (Plasmid) ein und befruchteten damit durch Mikroinjektion Eizellen von Mäusen. Da es sich nicht steuern lässt, wo sich die neue Erbsubstanz im Genom der Maus einfügt, haben Hübner und sein Team auch die großen regulatorischen Bereiche links und rechts des Notch 3-Gens in das Plasmid eingefügt. Diese regulatorischen Bereiche sind essentiell dafür, dass Notch 3 korrekt und in normalem Umfang abgelesen werden kann.

Der Versuch, den die MDC-Forscher erstmals für die Erkrankung CADASIL durchgeführt haben, ist gelungen: Das Gen wurde in das Mausgenom eingebaut und die genetisch veränderten Tiere haben eine ganze Reihe der Krankheits-Vorstufen entwickelt, die auch beim Menschen auftreten. So kam es tatsächlich zu einer Verengung und Blockade kleiner Blutgefäße, deren Folgen Schlaganfall sowie eine Verringerung der geistigen Leistungen sind. „Mit diesen Ergebnissen ist es nun - ergänzend zu zellbiologischen Untersuchungen - endlich möglich, mikroangiopathische Erkrankungen im Tiermodell nachzustellen. Wir können jetzt erforschen, wie es beim Menschen überhaupt zu dieser Erkrankung kommt und überprüfen, ob es noch andere Risikofaktoren als die bislang bekannten gibt und in welchem Ausmaß sich dann tatsächlich Schlaganfälle entwickeln“, sagt Norbert Hübner. „Und natürlich wird auch daran geforscht, wie es überhaupt dazu kommt, dass die Mutation im Notch 3-Gen bei CADASIL-Patienten zum Schlaganfall führt und wie dem in Zukunft Einhalt geboten werden kann.“

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Listeria monocytogenes können menschliche Darmzellen befallen und dort schwere Infektionen auslösen. Foto: HZI/M. Rohde

Wie schaffen es Krankheitserreger eigentlich, die Abwehrbarrieren des menschlichen Körpers zu überwinden und den Organismus zu befallen? Dieser Frage geht das Team um Professor Dr. Dirk Heinz im Bereich Strukturbiologie des HZI nach.

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Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Salmonellen wandern binnen 24 Stunden gezielt in das Tumorgewebe ein. Foto: HZI

Salmonellen sind bakterielle Krankheitserreger, die sich bei warmem Wetter in unzureichend gegarten Eierspeisen rasant vermehren – mit den allseits bekannten und berüchtigten Folgen. Was weit weniger bekannt, aber nicht weniger interessant ist: Salmonellen haben neben Eis und Eierspeisen auch eine Vorliebe für Tumorgewebe.

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Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Die Helmholtz-Forscher untersuchen Hirntumoren bei Kindern, hier ein Medulloblastom. MRT-Aufnahme: DKFZ

Das Genom ist das im Zellkern jeder Zelle gespeicherte Erbmaterial, das aus einer Abfolge von 3,2 Milliarden Bausteinen der DNA besteht. Im Jahr 2003 legte ein internationales Forscherteam das komplett entschlüsselte menschliche Genom vor und beendete damit die Arbeit des 1990 begonnenen Humangenomprojekts.

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Einblicke in die Forschung: Gesundheit

In vitro kultivierte blutbildende Zellen der Maus. Foto: MDC/S. Ghani

Blutzellen leben nur eine begrenzte Zeit. Deshalb bildet der Körper Blutzellen immer wieder neu. Ihr Reservoir sind die Blutstammzellen. Ob aus einer Blutstammzelle bei der Zellteilung erneut eine Stammzelle wird oder ob sich verschiedene Blutzellen entwickeln, hängt von einem chemischen Vorgang ab, den Forscher schon lange kennen.

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Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Das Genomanalysezentrum am Helmholtz Zentrum München stellt moderne Technologien für Genom-, Proteom- und Metabolom-Analyse zur Verfügung. Foto: Helmholtz Zentrum München

Das Risiko für Diabetes oder andere Stoffwechselerkrankungen steigt enorm, wenn ungesunde Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Bewegung mit einer genetischen Veranlagung zusammen kommen. Forscher vom Helmholtz Zentrum München haben Varianten von bekannten Diabetes-Risikogenen und weiteren Genen entdeckt, die sie erstmals eindeutig mit Störungen im Fettstoffwechsel in Zusammenhang bringen konnten.

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Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Genetisch veränderte Mäuse, die das Entzündungsenzym COX-2 im Überschuss bilden, bleiben im Gegensatz zur normalen Mäusen auch bei fettreicher Kost schlank. Foto: DKFZ

Normalerweise sorgt die Regulation des Stoffwechsels für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, so dass das Körpergewicht weitgehend stabil bleibt. Bei zunehmender Fettleibigkeit wird mehr Energie im so genannten weißen Fettgewebe gespeichert als verbraucht. Braunes Fettgewebe hat dagegen eine andere Funktion, es wandelt Energie in Wärme um.

Zum vollständigen Artikel 'Braunes Fettgewebe als Schlankmacher'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Dr. Francesca Alessandrini untersucht, wie Feinstaub allergische Reaktionen beinflussen kann. Foto: Helmholtz Zentrum München

Eine Belastung durch Feinstaub führt häufig zu einer Verschlimmerung von allergischem Asthma. Dieser Zusammenhang ist aus epidemiologischen Studien bereits recht gut bekannt. Welche Rolle dabei ultrafeine Partikel spielen, wollten Dr. Francesca Alessandrini und ihre Kollegen vom Helmholtz Zentrum München und vom ZAUM Zentrum Allergie und Umwelt der Technischen Universität München genauer untersuchen.

Zum vollständigen Artikel 'Ultrafeine Partikel verschlimmern Asthma'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans lassen sich Alterungsprozesse wie im Zeitraffer verfolgen. Foto: DZNE

Die Bevölkerung altert zunehmend. Obwohl ein gesundes Altern immer häufiger ist, nimmt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen mit dem Alter zu. Bereits heute leiden in Deutschland rund eine Million Menschen an einer Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl - bedingt durch die steigende Lebenserwartung - bis auf das Dreifache erhöhen.

Zum vollständigen Artikel 'Altern im Zeitraffer'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Viele Ältere fragen sich bei Gedächtnisproblemen, ob es sich dabei um die normale Altersvergesslichkeit handelt oder bereits um Anzeichen einer Demenz. Zur Diagnose dienen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT), die strukturelle oder molekulare Veränderungen im Gehirn darstellen können. Ein negativer Befund wiegt die Patienten aber in falscher Sicherheit – nicht jede Veränderung kann damit festgestellt werden.

Zum vollständigen Artikel 'Frühwarnsystem für neurodegenerative Erkrankungen'

11.06.2013