Frühwarnsystem für neurodegenerative Erkrankungen
Viele Ältere fragen sich bei Gedächtnisproblemen, ob es sich dabei um die normale Altersvergesslichkeit handelt oder bereits um Anzeichen einer Demenz. Zur Diagnose dienen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT), die strukturelle oder molekulare Veränderungen im Gehirn darstellen können. Ein negativer Befund wiegt die Patienten aber in falscher Sicherheit – nicht jede Veränderung kann damit festgestellt werden. Zudem eignet sie sich kaum, Subtypen zu unterscheiden. „Aktuell wird deutlich, dass gerade präventive Therapien nur in engen Zeitfenstern wirken und möglichst schon präklinisch eingesetzt werden sollten. Hier benötigen wir eine prädiktive Diagnostik der drohenden Demenz und auch Verfahren zur Vorhersage des weiteren Krankheitsverlaufs.“, so Professor Dr. Dr. Pierluigi Nicotera, wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen.
Eine solche frühzeitige, differenzierte und verlaufsorientierte Diagnose soll am DZNE entwickelt werden. Dabei konzentriert man sich vor allem auf neurochemische und molekulare Veränderungen, welche lange vor dem Auftreten messbarer struktureller Verluste im Gehirn ablaufen. Die daran beteiligten Stoffe, so genannte Biomarker, dienen als Indikatoren. Bereits heute werden zwei Biomarker, Tauproteine- und Abetapeptide, eingesetzt, die im Liquor, der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, gemessen werden. Damit ist bei einer leichten kognitiven Störung der Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung selbst bei negativem MRT-Befund bereits mindestens sechs Jahre im Voraus zu erkennen.
Das ist aber nur der Anfang eines Frühwarnsystems gegen Demenz. „Die liquorgestütze Methode ist immer noch invasiv. Wir müssen erreichen, dass wir Biomarker in einem preiswerten und automatisierten Verfahren im Blut nachweisen können. Dazu müssen wir neue Biomarker identifizieren“, so Nicotera. Das könne schon in fünf Jahren möglich sein. Mit den neurochemischen Demenzmarkern (Blut, Liquor), dem hochauflösenden 7-Tesla-MRT inklusive funktioneller MR-Bildgebung und der Positronen-Emissionstomographie (PET) sollen Erkrankte mit milden Störungen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Nahziel ist es, dass neurodegenerative Demenzerkrankungen erst mehrere Jahre später in das eigentliche Demenzstadium übergehen. Fernziel ist, das Eintreten des Demenzstadiums – mit dramatischer Verschlechterung der Lebensqualität für den Erkrankten und seine Angehörigen – ganz zu verhindern.










