Helmholtz-Gemeinschaft

Auf dem Weg zu einer individualisierten Krebstherapie

Die Helmholtz-Forscher untersuchen Hirntumoren bei Kindern, hier ein Medulloblastom. MRT-Aufnahme: DKFZ
Die Helmholtz-Forscher untersuchen Hirntumoren bei Kindern, hier ein Medulloblastom. MRT-Aufnahme: DKFZ

Das Genom ist das im Zellkern jeder Zelle gespeicherte Erbmaterial, das aus einer Abfolge von 3,2 Milliarden Bausteinen der DNA besteht. Im Jahr 2003 legte ein internationales Forscherteam das komplett entschlüsselte menschliche Genom vor und beendete damit die Arbeit des 1990 begonnenen Humangenomprojekts. Nun haben sich deutsche Forscher einem neuen Mammutprojekt der biomedizinischen Genomforschung angeschlossen.

Das Internationale Krebsgenomkonsortium hat sich vorgenommen, sämtliche Unterschiede zwischen dem Erbmaterial von normalen Zellen und Krebszellen aufzudecken. Ziel ist eine Liste sämtlicher Gene, deren Mutation das Krebswachstum fördert. Es ist geplant, für 50 Tumorarten Proben von jeweils 500 Patienten zu analysieren. Da man für den Vergleich auch die Erbmaterialsequenzen der gesunden Zellen jedes Patienten benötigt, ergibt sich insgesamt ein Datenbestand von 50.000 Genomen, eine immense Datenmenge, die alles bisher in der Biomedizin Vorgelegte in den Schatten stellt. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg dient als zentrale Anlaufstelle für die beteiligten deutschen Institute. Professor Dr. Peter Lichter, Leiter der Abteilung „Molekulare Genetik“, ist der Koordinator des nationalen Forschungsverbundes. Sein Stellvertreter Professor Dr. Roland Eils, Leiter der Abteilung „Theoretische Bioinformatik“, übernimmt das Management der Datenflut.

Ein Projekt dieser Größenordnung erfordert eine internationale Zusammenarbeit, denn es würde die finanziellen und personellen Kapazitäten nationaler Forschung zweifellos überfordern. Die beteiligten Institute eines jeden Landes konzentrieren sich auf jeweils einen oder einige wenige Tumorarten. So übernehmen beispielsweise die chinesischen Forscher den Magenkrebs, während sich japanische und französische Institute für jeweils einen Typ von Lebertumoren entschieden haben. Die deutschen Forscher werden zwei Arten der häufigsten kindlichen Hirntumoren, Medulloblastom und pilozytisches Astrozytom, analysieren. Daran erkranken in Deutschland jährlich etwa 300 Kinder. „Für diese Tumortypen gibt es bereits Vorarbeiten und eine umfangreiche Sammlung von Gewebeproben im DKFZ“, sagt Peter Lichter. Zur Finanzierung des auf fünf Jahre angelegten Projekts stellen die Deutsche Krebshilfe e.V. und das Bundesministerium für Bildung und Forschung 15 Millionen Euro zur Verfügung. Erste Genanalysen von Hirntumorproben im Rahmen des deutschen „PedBrainTumor“-Konsortiums haben inzwischen begonnen. Neue Proben werden hauptsächlich über ein Netzwerk deutscher Onkologen zur Verfügung gestellt.

Bis vor kurzem gingen die Krebsforscher noch davon aus, dass weniger als zehn veränderte Gene ausreichen, um unkontrolliertes Zellwachstum zu bewirken. Doch dann ergaben erste Genomanalysen von Brust- und Darmtumoren, dass in den Krebszellen mindestens 20 relevante Gene verändert sind. Wie viele solcher Krebsgene es insgesamt gibt – mehr als 300 sind schon bekannt – , soll das neue Großprojekt herausfinden. Jede Tumorart ließe sich dann durch ein typisches Profil von Krebsgenen charakterisieren und einem Subtyp zuordnen. „Diese genetische Klassifizierung soll die bisherige Gewebetypisierung aber nicht ersetzen, sondern ergänzen“, betont Lichter. Die vollständige Genomsequenzierung jeder Probe gehört also zum Pflichtprogramm. Nach Möglichkeit sollen zusätzlich Informationen über die Genaktivitäten miterfasst werden. Man möchte also auch wissen, welche Gene der Krebszellen ein- oder ausgeschaltet sind und welche Mikro-RNAs gebildet werden. Mikro-RNAs sind kleine Nukleinsäuren, die bei der Genregulation eine Rolle spielen. Von den Ergebnissen des Forschungsprogramms werden die Krebspatienten in verschiedener Hinsicht direkt profitieren: Zum einen verbessert sich die Diagnostik, da das Muster sämtlicher dann bekannter Krebsgene viel genauer als bisher den Subtyp eines Tumors offenbart. Das erleichtert zugleich die Wahl der am besten geeigneten Therapie. So verlangen schnell wachsende, aggressive Tumorformen eine andere Therapie als weniger gefährliche Typen. Zum anderen kann der Nachweis neuer genetischer Krebsmerkmale die Früherkennung verbessern oder Auskunft darüber geben, ob bereits verfügbare Krebsmedikamente wirksam sind oder nicht. Starke Nebenwirkungen und Spätfolgen einer unwirksamen Behandlung ließen sich so vermeiden. Bisher unbekannte Krebsgene können nicht zuletzt neue Zielstrukturen aufdecken, die zur Entwicklung ganz neuartiger Medikamente führen.

Noch wäre die Sequenzierung des Krebsgenoms als Einsatz in der Routinediagnostik zu teuer. „Die reinen Verbrauchskosten für die Sequenzierung eines Genoms liegen heute zwischen 8.000 und 10.000 Euro“, so Lichter. Es sei aber nicht unrealistisch, dass diese Kosten schon bald unter 1.000 Euro sinken. Dann könnte jedem Krebspatienten eine komplette Erbmaterialanalyse seines Tumors angeboten werden. Und das wäre ein großer Schritt hin zur angestrebten individualisierten Krebstherapie.

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Listeria monocytogenes können menschliche Darmzellen befallen und dort schwere Infektionen auslösen. Foto: HZI/M. Rohde

Wie schaffen es Krankheitserreger eigentlich, die Abwehrbarrieren des menschlichen Körpers zu überwinden und den Organismus zu befallen? Dieser Frage geht das Team um Professor Dr. Dirk Heinz im Bereich Strukturbiologie des HZI nach.

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Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Salmonellen wandern binnen 24 Stunden gezielt in das Tumorgewebe ein. Foto: HZI

Salmonellen sind bakterielle Krankheitserreger, die sich bei warmem Wetter in unzureichend gegarten Eierspeisen rasant vermehren – mit den allseits bekannten und berüchtigten Folgen. Was weit weniger bekannt, aber nicht weniger interessant ist: Salmonellen haben neben Eis und Eierspeisen auch eine Vorliebe für Tumorgewebe.

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Einblicke in die Forschung: Gesundheit

In vitro kultivierte blutbildende Zellen der Maus. Foto: MDC/S. Ghani

Blutzellen leben nur eine begrenzte Zeit. Deshalb bildet der Körper Blutzellen immer wieder neu. Ihr Reservoir sind die Blutstammzellen. Ob aus einer Blutstammzelle bei der Zellteilung erneut eine Stammzelle wird oder ob sich verschiedene Blutzellen entwickeln, hängt von einem chemischen Vorgang ab, den Forscher schon lange kennen.

Zum vollständigen Artikel 'Wie das Schicksal von Blutstammzellen gesteuert wird'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Das Genomanalysezentrum am Helmholtz Zentrum München stellt moderne Technologien für Genom-, Proteom- und Metabolom-Analyse zur Verfügung. Foto: Helmholtz Zentrum München

Das Risiko für Diabetes oder andere Stoffwechselerkrankungen steigt enorm, wenn ungesunde Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Bewegung mit einer genetischen Veranlagung zusammen kommen. Forscher vom Helmholtz Zentrum München haben Varianten von bekannten Diabetes-Risikogenen und weiteren Genen entdeckt, die sie erstmals eindeutig mit Störungen im Fettstoffwechsel in Zusammenhang bringen konnten.

Zum vollständigen Artikel 'Metabolomics erobert Diabetes-Forschung'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Genetisch veränderte Mäuse, die das Entzündungsenzym COX-2 im Überschuss bilden, bleiben im Gegensatz zur normalen Mäusen auch bei fettreicher Kost schlank. Foto: DKFZ

Normalerweise sorgt die Regulation des Stoffwechsels für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, so dass das Körpergewicht weitgehend stabil bleibt. Bei zunehmender Fettleibigkeit wird mehr Energie im so genannten weißen Fettgewebe gespeichert als verbraucht. Braunes Fettgewebe hat dagegen eine andere Funktion, es wandelt Energie in Wärme um.

Zum vollständigen Artikel 'Braunes Fettgewebe als Schlankmacher'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Diese MRT-Aufnahmen von CADASIL-Patienten (hier aus dem King Faisal Hospital, Saudi-Arabien) zeigen kleinere Infarkte. Foto: King Faisal Specialist Hospital, Riyadh, Saudi Arabia/K. Abu-Amero, S. Bohlega

Etwa 250.000 Menschen pro Jahr haben in Deutschland einen Schlaganfall. Die Mehrzahl der Betroffenen leidet anschließend unter Folgeschäden wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. Forscher um Professor Dr. Norbert Hübner vom MDC haben in Zusammenarbeit mit französischen Kollegen nun ein Mausmodell entwickelt, mit dem sich Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls genau untersuchen lassen.

Zum vollständigen Artikel 'Maus steht Modell für Schlaganfallpatienten'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Dr. Francesca Alessandrini untersucht, wie Feinstaub allergische Reaktionen beinflussen kann. Foto: Helmholtz Zentrum München

Eine Belastung durch Feinstaub führt häufig zu einer Verschlimmerung von allergischem Asthma. Dieser Zusammenhang ist aus epidemiologischen Studien bereits recht gut bekannt. Welche Rolle dabei ultrafeine Partikel spielen, wollten Dr. Francesca Alessandrini und ihre Kollegen vom Helmholtz Zentrum München und vom ZAUM Zentrum Allergie und Umwelt der Technischen Universität München genauer untersuchen.

Zum vollständigen Artikel 'Ultrafeine Partikel verschlimmern Asthma'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans lassen sich Alterungsprozesse wie im Zeitraffer verfolgen. Foto: DZNE

Die Bevölkerung altert zunehmend. Obwohl ein gesundes Altern immer häufiger ist, nimmt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen mit dem Alter zu. Bereits heute leiden in Deutschland rund eine Million Menschen an einer Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl - bedingt durch die steigende Lebenserwartung - bis auf das Dreifache erhöhen.

Zum vollständigen Artikel 'Altern im Zeitraffer'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Viele Ältere fragen sich bei Gedächtnisproblemen, ob es sich dabei um die normale Altersvergesslichkeit handelt oder bereits um Anzeichen einer Demenz. Zur Diagnose dienen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT), die strukturelle oder molekulare Veränderungen im Gehirn darstellen können. Ein negativer Befund wiegt die Patienten aber in falscher Sicherheit – nicht jede Veränderung kann damit festgestellt werden.

Zum vollständigen Artikel 'Frühwarnsystem für neurodegenerative Erkrankungen'

09.01.2013