Helmholtz-Gemeinschaft

Altern im Zeitraffer

Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans lassen sich Alterungsprozesse wie im Zeitraffer verfolgen. Foto: DZNE
Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans lassen sich Alterungsprozesse wie im Zeitraffer verfolgen. Foto: DZNE

Die Bevölkerung altert zunehmend. Obwohl ein gesundes Altern immer häufiger ist, nimmt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen mit dem Alter zu. Bereits heute leiden in Deutschland rund eine Million Menschen an einer Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl - bedingt durch die steigende Lebenserwartung - bis auf das Dreifache erhöhen. Denn mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer. Dr. Daniele Bano ist Leiter der Arbeitsgruppe „Altern und Neurodegeneration“ am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE). Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern untersucht er die genetischen Grundlagen und physiologischen Mechanismen von Alterungsprozessen, um die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen aufzuklären.

In den letzten Jahren haben verschiedene Forschungsarbeiten gezeigt, dass mit dem Alter auch die Verbindungen zwischen Nervenzellen abnehmen. Dieser Verlust an Konnektivität zwischen Nervenzellen scheint der Grund für die Gedächtnisstörungen bei neurodegenerativen Erkrankungen zu sein. Daher wollen Bano und sein Team Gene finden, die diesen Alterungsprozess im Gehirn aufhalten können. Das bevorzugte Untersuchungsobjekt ist der Fadenwurm Caenorhabditis elegans. Das nicht ganz einen Millimeter große Tier hat eine Lebenserwartung von nur etwa drei Wochen. An ihm können die DZNE-Forscher Alterungsprozesse wie im Zeitraffer verfolgen und sehr viel schneller Ergebnisse erzielen als beispielsweise mit Mäusen, die eine höhere Lebenserwartung haben. Außerdem sind Fadenwürmer kostengünstiger, leichter zu vermehren und einfacher genetisch manipulierbar. Alterungsprozesse bei Würmern und Menschen sind sehr ähnlich, denn wichtige Gene existieren in beiden Organismen. „Mit Fadenwürmern können wir grundlegende genetische Untersuchungen machen und Gene identifizieren, die wahrscheinlich eine wichtige Rolle für die Gehirnarchitektur oder neuronale Physiologie spielen“, so Bano. „Die testen wir dann in höheren Tiermodellen wie Mäusen, um damit eine bessere Übertragbarkeit auf den Menschen zu erreichen.“

Fadenwürmer, die deutlich länger leben als ihre Artgenossen, werden auf Varianten in ihren Genen hin untersucht, die zu ihrer längeren Lebensspanne geführt haben. In verschiedenen Experimenten mit genetisch veränderten Fadenwürmern beobachten die DZNE-Forscher, wie sich deren genetische Ausstattung auf den Alterungsprozess auswirkt. Dazu beeinflussen sie auch gezielt bestimmte Gene, die mit dem Alterungsprozess im Zusammenhang stehen, drehen ihre Aktivität hoch oder herunter oder schalten sie ganz aus. Bano: „Weiterhin untersuchen wir, in welche Stoffwechselvorgänge diese Gene involviert sind und, inwieweit diese auch bei den Alterungsprozessen des Menschen eine Rolle spielen. Es ist heute bekannt, dass veränderte Stoffwechselwege im Alter einen hohen Einfluss auf Störungen und den Abbau von Nervenzellen, den Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen haben. Wie das geht, wissen wir aber noch nicht.“ Auch die Arbeitsgruppe von Dr. Dan Ehninger beschäftigt sich damit, welchen Einfluss der Alterungsprozess auf neurodegenerative Erkrankungen hat. Ehninger leitet seit Februar 2010 die Nachwuchsgruppe „Molekulare und zelluläre Kognition“. Aufbauend auf Forschungsergebnissen mit Fadenwürmern will er mit Hilfe des Mausmodells die Auswirkungen von Alterungsprozessen auf das Gehirn verstehen und untersuchen, wie sich Verhalten, Lernen und Gedächtnis mit dem Älterwerden verändern. Zur Beantwortung dieser Fragen werden Ehninger und seine Kollegen mit Mäusen arbeiten, bei denen sie den Alterungsprozess künstlich nach hinten verschieben.

Mäuse leben länger, wenn sie mit Rapamycin gefüttert werden, einem Medikament, das unter anderem zur Immunsuppression bei Organtransplantationen genutzt wird. Es hat eine Wirkung auf das Enzym mTOR, das verschiedenste Funktionen in der Signalübertragung des Stoffwechsels hat und mit Alterungsprozessen in Zusammenhang steht. mTOR stimuliert zum einen die Herstellung von Proteinen und hemmt zum anderen den Stoffabbau innerhalb der Zellen. Rapamycin greift in diese Stoffwechselprozesse ein. Im Alzheimer-Tiermodell konnte der Ausbruch der Krankheit durch Rapamycin deutlich nach hinten verschoben werden. „Wir wollen herausfinden, worauf genau diese Lebensverlängerung und das Verschieben des Krankheitsausbruchs beruhen. Darüber hinaus interessiert uns natürlich auch welchen Effekt das Hinauszögern des Alterungsprozesses auf die Hirnalterung hat und, ob auch altersbedingte Lernstörungen dadurch nach hinten verschoben werden können“, sagt Ehninger.

Der Einfluss von aktiven Alzheimer-Genen in Kombination mit dem Medikament Rapamycin soll bei jungen als auch bei alten Mäusen getestet und verglichen werden. Gibt es Unterschiede im Krankheitsverlauf? Entwickeln sich unterschiedliche Effekte im Gehirn, die sich beispielsweise auf die Lernfähigkeit auswirken? Ehninger: „Unsere Forschungsaktivitäten werden sich an der Schnittstelle zwischen Altern und Neurodegeneration ansiedeln. Sie sollen unter anderem Antworten darauf finden, warum neurodegenerative Erkrankungen meist so spät auftreten und natürlich auch dazu beitragen neurodegenerative Prozesse zu verstehen, um neue Therapieansätze zu finden.“

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Listeria monocytogenes können menschliche Darmzellen befallen und dort schwere Infektionen auslösen. Foto: HZI/M. Rohde

Wie schaffen es Krankheitserreger eigentlich, die Abwehrbarrieren des menschlichen Körpers zu überwinden und den Organismus zu befallen? Dieser Frage geht das Team um Professor Dr. Dirk Heinz im Bereich Strukturbiologie des HZI nach.

Zum vollständigen Artikel 'Was Strukturbiologie und Wundheilung verbindet'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Salmonellen wandern binnen 24 Stunden gezielt in das Tumorgewebe ein. Foto: HZI

Salmonellen sind bakterielle Krankheitserreger, die sich bei warmem Wetter in unzureichend gegarten Eierspeisen rasant vermehren – mit den allseits bekannten und berüchtigten Folgen. Was weit weniger bekannt, aber nicht weniger interessant ist: Salmonellen haben neben Eis und Eierspeisen auch eine Vorliebe für Tumorgewebe.

Zum vollständigen Artikel 'Mit Salmonellen gegen Krebs'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Die Helmholtz-Forscher untersuchen Hirntumoren bei Kindern, hier ein Medulloblastom. MRT-Aufnahme: DKFZ

Das Genom ist das im Zellkern jeder Zelle gespeicherte Erbmaterial, das aus einer Abfolge von 3,2 Milliarden Bausteinen der DNA besteht. Im Jahr 2003 legte ein internationales Forscherteam das komplett entschlüsselte menschliche Genom vor und beendete damit die Arbeit des 1990 begonnenen Humangenomprojekts.

Zum vollständigen Artikel 'Auf dem Weg zu einer individualisierten Krebstherapie'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

In vitro kultivierte blutbildende Zellen der Maus. Foto: MDC/S. Ghani

Blutzellen leben nur eine begrenzte Zeit. Deshalb bildet der Körper Blutzellen immer wieder neu. Ihr Reservoir sind die Blutstammzellen. Ob aus einer Blutstammzelle bei der Zellteilung erneut eine Stammzelle wird oder ob sich verschiedene Blutzellen entwickeln, hängt von einem chemischen Vorgang ab, den Forscher schon lange kennen.

Zum vollständigen Artikel 'Wie das Schicksal von Blutstammzellen gesteuert wird'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Das Genomanalysezentrum am Helmholtz Zentrum München stellt moderne Technologien für Genom-, Proteom- und Metabolom-Analyse zur Verfügung. Foto: Helmholtz Zentrum München

Das Risiko für Diabetes oder andere Stoffwechselerkrankungen steigt enorm, wenn ungesunde Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Bewegung mit einer genetischen Veranlagung zusammen kommen. Forscher vom Helmholtz Zentrum München haben Varianten von bekannten Diabetes-Risikogenen und weiteren Genen entdeckt, die sie erstmals eindeutig mit Störungen im Fettstoffwechsel in Zusammenhang bringen konnten.

Zum vollständigen Artikel 'Metabolomics erobert Diabetes-Forschung'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Genetisch veränderte Mäuse, die das Entzündungsenzym COX-2 im Überschuss bilden, bleiben im Gegensatz zur normalen Mäusen auch bei fettreicher Kost schlank. Foto: DKFZ

Normalerweise sorgt die Regulation des Stoffwechsels für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, so dass das Körpergewicht weitgehend stabil bleibt. Bei zunehmender Fettleibigkeit wird mehr Energie im so genannten weißen Fettgewebe gespeichert als verbraucht. Braunes Fettgewebe hat dagegen eine andere Funktion, es wandelt Energie in Wärme um.

Zum vollständigen Artikel 'Braunes Fettgewebe als Schlankmacher'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Diese MRT-Aufnahmen von CADASIL-Patienten (hier aus dem King Faisal Hospital, Saudi-Arabien) zeigen kleinere Infarkte. Foto: King Faisal Specialist Hospital, Riyadh, Saudi Arabia/K. Abu-Amero, S. Bohlega

Etwa 250.000 Menschen pro Jahr haben in Deutschland einen Schlaganfall. Die Mehrzahl der Betroffenen leidet anschließend unter Folgeschäden wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. Forscher um Professor Dr. Norbert Hübner vom MDC haben in Zusammenarbeit mit französischen Kollegen nun ein Mausmodell entwickelt, mit dem sich Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls genau untersuchen lassen.

Zum vollständigen Artikel 'Maus steht Modell für Schlaganfallpatienten'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Dr. Francesca Alessandrini untersucht, wie Feinstaub allergische Reaktionen beinflussen kann. Foto: Helmholtz Zentrum München

Eine Belastung durch Feinstaub führt häufig zu einer Verschlimmerung von allergischem Asthma. Dieser Zusammenhang ist aus epidemiologischen Studien bereits recht gut bekannt. Welche Rolle dabei ultrafeine Partikel spielen, wollten Dr. Francesca Alessandrini und ihre Kollegen vom Helmholtz Zentrum München und vom ZAUM Zentrum Allergie und Umwelt der Technischen Universität München genauer untersuchen.

Zum vollständigen Artikel 'Ultrafeine Partikel verschlimmern Asthma'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Viele Ältere fragen sich bei Gedächtnisproblemen, ob es sich dabei um die normale Altersvergesslichkeit handelt oder bereits um Anzeichen einer Demenz. Zur Diagnose dienen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT), die strukturelle oder molekulare Veränderungen im Gehirn darstellen können. Ein negativer Befund wiegt die Patienten aber in falscher Sicherheit – nicht jede Veränderung kann damit festgestellt werden.

Zum vollständigen Artikel 'Frühwarnsystem für neurodegenerative Erkrankungen'

09.01.2013