Helmholtz-Gemeinschaft

Wasserforschung in Containern

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Gewässeruntersuchung

Eine MOBICOS-Anlage erlaubt Experimente im Ökosystem von Flüssen oder Seen unter naturnahen Bedingungen. An originalem Freilandwasser können die Forscher gezielt untersuchen, wie Organismen auf Belastungen reagieren. Foto: Helge Norf/UFZmehr lesen

MOBICOS-Container

Ein gut ausgestattetes Labor ist im MOBICOS-Container eingerichtet und ermöglicht Analysen und Experimente vor Ort. Foto: Jürgen Lösel

Trotz jahrzehntelanger Bemühungen, die Gewässerqualität durch gezielte Maßnahmen zu verbessern, haben bisher nur etwa zehn Prozent der Wasserkörper einen guten ökologischen Zustand im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie erreicht. Nur im „gesunden Zustand“ können die Oberflächen- und Grundwasserkörper langfristig Ökosystemdienstleistungen wie gesundes Trinkwasser sicherstellen.

Um zu verstehen, wie Süßwasser-Ökosysteme auf unterschiedliche Belastungen reagieren, haben UFZ-Forscher um Prof. Dr. Dietrich Borchardt, Prof. Dr. Markus Weitere und Dr. Helge Norf eine große mobile Mesokosmenanlage (MOBICOS) entwickelt. Sie besteht aus Containern, die gewässernah aufgebaut und mit Wasser gespeist werden: Dadurch entsteht ein „natürliches” Testsystem. „Das Oberflächenwasser wird im Container in verschiedene Versuchsbecken geleitet und kann dann dort untersucht oder experimentell – zum Beispiel durch die Zugabe von Nährstoffen oder Veränderung der Temperatur – manipuliert werden“, erklärt der Gewässerökologe Markus Weitere. In der MOBICOS-Anlage findet zum Beispiel eine Vergleichsstudie zur Ökologie der Körbchenmuschel (Corbicula fluminea) in Rhein und Elbe statt. Die Muschel filtriert Algen aus der Wassersäule und verhindert so deren übermäßiges Wachstum (Eutrophierung). Im Rhein kommt die Muschel in großen Mengen vor. In der Elbe ist sie hingegen relativ selten, obwohl beispielsweise das Nahrungsangebot und die Sedimente optimal sind. Ein identisches Experiment läuft auf der Ökologischen Rheinstation der Universität zu Köln, um die Frage beantworten zu können: Was sind die Ursachen für die unterschiedlichen Beiträge der Körbchenmuschel zur Ökosystemfunktion von Rhein und Elbe? Die Container werden auch im „Terrestrial Environmental Observatory“ der Helmholtz-Gemeinschaft (TERENO) genutzt, einer Langzeitstudie in vier Regionen Deutschlands, um die Entwicklung von Klima, Boden und Wasser aufzuzeichnen und so die Basis für verlässliche Modellprognosen zu schaffen.

UFZ/Red.

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20.08.2014