Wasserflöhe vertreiben Stechmücken
aus der Forschung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ
Stechmückenlarven konkurrieren mit Wasserflöhen um die Nahrung in kleinen Tümpeln . Foto/Grafik: A. Künzelmann.mehr lesen
Nicht nur Insektizide können eine Mückenplage verhindern. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ in Leipzig haben herausgefunden, dass eine gezielte Verschiebung der Biodiversität in Kleingewässern die Vermehrung von Stechmücken eindämmen kann.
Im Biosphärenreservat Mittelelbe bei Dessau untersuchten die Wissenschaftler des Department System-Ökotoxikologie 15 verschiedene Wasserstellen. Das Ziel: Sie wollten einen natürlichen Mechanismus aufdecken, der die Mückenpopulation kontrolliert. „Kleine Krebstiere wie Wasserflöhe und Hüpferlinge konkurrieren mit Mückenlarven um die gleiche Nahrung“, sagt Privatdozent Dr. Matthias Liess. „Daher kommen in Gewässern mit Wasserflöhen deutlich weniger Mückenlarven vor als in jungen Gewässern, in denen sich noch keine Kleinkrebse angesiedelt haben“. Mückenweibchen legen ihre Eier bevorzugt in neu entstandene, flache Wasseransammlungen. Tümpel, Pfützen oder auch Eimer und Blumentöpfe sind für die Insekten perfekte Kinderstuben: Diese temporären Gewässer enthalten noch keine Fressfeinde oder Nahrungskonkurrenten. Besteht ein Gewässer für längere Zeit, tragen zum Beispiel der Wind oder andere Tiere Konkurrenten der Mückenlarven ein. Sie begrenzen dann die Zahl der schlüpfenden Mücken.
Erfolgreiche Mückenbekämpfung in Deutschland und Afrika
„Wir beschleunigen den Alterungsprozess junger Gewässer durch das gezielte Einsetzen von Konkurrenten der Mückenlarven“, erklärt Liess. „Dadurch wird die Zahl der Mücken auf natürliche Weise reduziert.“ Zuvor verwenden die Wissenschaftler allerdings ein Insektizid, das nur auf die Mückenlarven wirkt. So geben sie den zugesetzten Wasserflöhen und Hüpferlingen einen Startvorteil, um sich möglichst schnell vermehren zu können. Danach machen sie den Mückenlarven die Nahrung streitig und einen weiteren Insektizideinsatz überflüssig. In den Elbauen, den Gewässern um Leipzig und auch in Kenia und Kamerun wenden die Wissenschaftler diese Methode bereits an. Während Mücken bei uns vor allem lästig sind, stellen sie in Afrika als sehr effektive Überträger verschiedener Krankheiten ein großes Problem dar. „Im Moment arbeiten wir noch an der Optimierung des Verfahrens, damit es bald auch in Afrika von jedem genutzt werden kann“, sagt Liess.
BMBF fördert Mückenprojekt in Afrika
Ab August 2011 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Weiterentwicklung des Mückenprojektes in Afrika zunächst für zwei Jahre. Vor Ort untersuchen zwei Wissenschaftler alle vorkommenden Gewässertypen vom großen See bis zum wassergefüllten Astloch. Ziel ist es herauszufinden, in welchen Gewässern die Mückenbekämpfung Sinn machen würde. Darüber hinaus zeigen die Forscher der afrikanischen Bevölkerung die Gefahren der Mückenplage auf und bringen ihnen die neue Bekämpfungsmethode bei. Ein weiterer Aspekt des Projektes ist die Züchtung von Dauereiern der Kleinkrebse. Getrocknet bleiben die Eier ein Jahr und länger einsatzfähig. Nun prüfen die Forscher, mit welchem Aufwand sich auch vor Ort Eier züchten und haltbar machen lassen, um das „Impfen“ der Gewässer mit Konkurrenten noch praktikabler zu gestalten.
Tropische Krankheiten bald auch bei uns
Bisher stellen Mücken als Krankheitsüberträger vor allem in den Tropen ein großes Problem dar. Durch den erwarteten Klimawandel besteht allerdings auch in den kälteren Regionen der Erde die Gefahr, dass immer mehr Mücken mit ihrem Stich tropische Krankheiten übertragen. Milde Winter und höhere Temperaturen begünstigen die Vermehrung von Mücken und Krankheitserregern. Außerdem finden die Insekten durch häufiger auftretende Starkregen und Überschwemmungen immer mehr Brutplätze. „Bisher scheinen die Mücken bei uns wenig Krankheitserreger in sich zu tragen“, sagt Liess. „Aber auch tropische und subtropische Mückenarten breiten sich immer weiter aus. Die Tigermücke zum Beispiel, ein potenter Überträger des Dengue-Fiebers, ist bereits bis nach Norditalien, in die Schweiz und das Rheintal vorgedrungen.“
Globalisierung unterstützt die Ausbreitung von Mücken
Tropische Insekten oder Krankheitserreger sind häufig unfreiwillige Souvenirs einer Reise. Die immer weiter ausgebauten Handelsströme aber verbreiten Insekten in deutlich größerer Zahl: Weibchen der Tigermücke (Aedes albopictus) oder verwandter Arten wie Aedes aegypti legen ihre Eier in jegliche Art von Wasseransammlung – so auch in Eimer, Blumen oder Reifen. Trocknen die Gelege vorübergehend aus, können die Eier noch mehrere Monate überleben und mit der Ware um die Welt reisen. Die Tigermücke hat in Deutschland vermutlich durch zu niedrige Temperaturen noch keine Population gebildet. Mehrere milde Winter könnten die Situation aber schon bald ändern. Da kommt die neue Methode zur Mückenbekämpfung von Matthias Liess gerade recht. „In Afrika rechnen wir schon im kommenden Jahr mit einem Erfolg. Bei uns läuft zurzeit noch die Patentierung der Methode.“
Andreas Fischer
Mediensammlung zum Thema
Verweise
UFZ
- Forschungsplattform Mittelelbe
- Klimafolgenforschung -Klimawandel und Gesundheit
- System-Ökotoxikologie - Projekt Mückenkontrolle
- Newsletter-Beitrag: Wasserflöhe kontra Moskitolarven, Seite 5 (PDF)
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