Die Meerwalnuss auf Eroberungszug

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- Die Rippenqualle Mnemiopsis leidyi ist in die Deutsche Bucht und in das Wattenmeer eingeschleppt worden. Foto: AWI/A.Malzahn
Glasig und ätherisch zart – Mnemiopsis leidyi, zu Deutsch die Meerwalnuss, sieht harmlos aus. Doch der schöne Schein trügt: Anfang der 1980er Jahre reiste die Rippenqualle in den Ballastwassertanks von Schiffen von der westamerikanischen Küste bis ins Schwarze und Kaspische Meer. Vor vier Jahren wurde sie auch in der Ost- und Nordsee entdeckt. Die Qualle kam als gefräßige Eroberin und räubert den heimischen Fischbestand aus.
„Fischeier und -larven stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan. Außerdem frisst sie Zooplankton und damit den Fischen die Nahrung weg“, sagt die Biologin Professor Dr. Karen Wiltshire. Die Forscherin leitet die Biologische Anstalt Helgoland (BAH) und ist stellvertretende Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven. Zusammen mit ihren Kollegen untersucht sie, wie sich der Fremdling in der neuen Heimat verhält und warum er sich so enorm ausbreitet.
Dafür werden die Quallen erstmals gezielt gefangen und im Labor beobachtet. Zwar ist die Meerwalnuss vergleichsweise robust und übersteht das Gefangenwerden gut, aber dennoch ist es knifflig, im Aquarium die natürlichen Umstände im Meer zu simulieren. Turbulenzen zum Beispiel unterstützen Quallen beim Schwimmen. Es ist schwierig, gerade so viel Turbulenz herzustellen, um die Meerwalnuss in Schwebe zu halten, aber wenig genug, sie nicht über den Rand zu spülen. Die Beobachtungen zeigen, dass die Quallen das Leben als Eroberin perfekt beherrschen: Nach nur zwei Wochen können sie sich reproduzieren, außerdem kommen sie mit großen Unterschieden in Salzgehalt und Temperatur zurecht.
In ihrer eigentlichen Tropenheimat leben sie bei Wassertemperaturen von über 25 Grad, hier leben sie sogar mit Temperaturen unter 10 Grad – erst bei weniger als 2 Grad ist Schluss. „Früher sank die Temperatur im Winter in der Regel noch weiter ab. So war es auch dieses Jahr, aber es passiert immer seltener. Das kommt der Qualle natürlich entgegen“, sagt Wiltshire. Überhaupt treten in der Nordsee immer häufiger Quallen auf – darunter auch Fressfeinde: Die Glas-Lappenqualle und die Melonenqualle etwa haben es gezielt auf Verwandte abgesehen. Vielleicht halten sie die Meerwalnuss in Schach. Im Schwarzen Meer hat es funktioniert, auch dort war ein natürlicher Gegner aufgetaucht.






