Der Nabel Afrikas

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„Inkaba yeAfrica“ könnte man als „Nabel Afrikas“ übersetzen. Die Geowissenschaftler Prof. Dr. Maarten de Wit von der südafrikanischen Universität Kapstadt und Prof. Dr. Brian Horsfield vom Helmholtz-Zentrum Potsdam, dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ, koordinieren dieses internationale Mammutprojekt, das Grundlagenforschung mit dem Wirtschaften des Menschen im Süden des Kontinents verknüpft.
Der „Nabel Afrikas“ meint die Wiege der Menschheit, die in Afrika steht. „Auch für Wissenschaftler ist diese Weltregion ein Paradebeispiel für die moderne Erdsystemforschung“, erklärt der ebenso am Projekt beteiligte GFZForscher Prof. Dr. Robert Trumbull. So nennt der Weltklimarat IPCC das südliche Afrika als einen der Brennpunkte, an denen der Klimawandel sich sehr stark auswirkt. Eine große Forschungsorganisation wie die Helmholtz-Gemeinschaft ist optimal ausgerüstet, um zusammen mit afrikanischen Partnern dieses komplexe System von den grundlegenden Prozessen in Ozean und Atmosphäre bis zu den Auswirkungen auf das Wirtschaften des Menschen zu verstehen.
Das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven untersucht zum Beispiel die Zusammenhänge zwischen den Meeresströmen rund um das südliche Afrika: So transportiert der Benguelastrom aus der Antarktis Kälte an der Atlantikküste Afrikas entlang nach Norden. Das kühle Wasser aber lässt fast keine Regenwolken ins Landesinnere kommen. Auf der anderen Seite des Kontinents bringt der Agulhas-Strom nicht nur Tropenwärme aus den Äquatorregionen entlang der Pazifikküste nach Süden, sondern schickt auch Niederschläge in den Süden Afrikas.
Klimaveränderungen beeinflussen diese Meeresströme und damit die Niederschläge. Als GFZ-Forscher in Südafrika die Ablagerungen im runden Tswaing-See mit seinen 1.130 Metern Durchmesser analysierten, konnten sie das Klima der letzten 200.000 Jahre und damit der beiden letzten großen Vereisungszyklen der Erde in dieser Region bestimmen. Sieben oder acht Grad war es demnach auch in Südafrika kälter, als gewaltige Eismassen die Nordhalbkugel der Erde bis in die Gegend der heutigen Millionenstädte Berlin und Hamburg unter sich begruben. Als es dann wärmer wurde, fiel auch weniger Regen. Das Wasser könnte daher zukünftig im Süden Afrikas noch knapper werden, wenn der Klimawandel die Temperaturen steigen lässt.
Wasser ist aber in Südafrika bereits heute ein knappes Gut, denn die Meeresströmungen im Atlantik und Indischen Ozean lassen die Niederschläge im Süden des Kontinents nicht allzu üppig ausfallen. Schon jetzt konkurrieren viele Nutzer um Wasser: Die Menschen brauchen nicht nur Trinkwasser, sondern auch Wasser zum Waschen, für die Toilettenspülung, für die Bewässerung der Felder und das Vieh. Auch die Industrie verbraucht große Mengen bei der Herstellung von Autos, Maschinen, Stahl und Düngemitteln. Und sehr viel Wasser benötigt der Bergbau, der wichtigste Wirtschaftszweig Südafrikas. Südafrikanische Bergleute fördern nicht nur Kohle zutage, sondern holen weltweit auch die größten Mengen von Gold und Platin, Chrom und Diamanten aus der Erde. Zu den Schattenseiten des Bergbaus gehören der hohe Wasserverbrauch und die riesigen Abraumhalden, die giftige Stoffe enthalten.
In einem von mehr als 20 Projekten beobachtet Inkaba yeAfrica diese Bodenschätze von ihrer Genese bis zur Entsorgung. Wie sind die Platinlagerstätten und Kohleflöze entstanden, wie werden sie genutzt, welche Folgen hat das für die Umwelt und welche Veränderungen wären denkbar? „Mit der Beantwortung dieser Fragen spannt Inkaba yeAfrica nicht nur bei den Bodenschätzen, sondern in vielen seiner Projekte den Bogen von der reinen Grundlagenforschung bis zur Ingenieurtechnik“, erklärt Trumbull.
Inkaba yeAfrica liefert mit den Ergebnissen auch konkrete Grundlagen für politische Entscheidungen, wie Wirtschaft, Bauern und Privathaushalte sich auf den Klimawandel einstellen sollten: Welches Getreide wird bei größerer Trockenheit oder Hitze noch gedeihen? Und wie viel Wasser steht in 20 Jahren voraussichtlich noch zur Verfügung, für die Haushalte, die Landwirtschaft, den Bergbau und die Industrie?

