Das große Tauen am Pol

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Das Meereis am Nordpol schwindet rasant. Forscher vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven (AWI) vermuten die Ursache im Zusammenspiel zwischen Eis, Ozean und Atmosphäre. Dessen besonderen Mechanismen wollen sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus 13 Ländern und 48 Partnerinstituten mit Hilfe von Modellen und Langzeitbeobachtungen im Rahmen des EU-Projekts DAMOCLES (Developing Arctic Modelling and Observing Capabilities for Long-term Environment Studies) auf die Spur kommen. Auf dem Eis verankerte, autonome Messbojen etwa versorgen die Wissenschaftler via Satellit regelmäßig mit Informationen über Strömung, Temperatur oder Salzgehalt – auch unabhängig von Forschungsfahrten mit dem Schiff.
Die Eisexperten vom AWI bestimmen nicht nur, wie weit sich das Eis ausdehnt, sondern auch, wie dick es ist: Zieht es sich an einer Stelle zurück, schiebt der Wind die Schollen andernorts vielleicht übereinander, die Menge insgesamt bleibt womöglich gleich. In den von DAMOCLES untersuchten Gebieten indes ist das Eis generell dünner geworden. Vielleicht überlagert hier eine natürliche Klimaschwankung den Treibhauseffekt. Oder das Nordpolgebiet ist besonders empfindlich:
Schmilzt das helle Eis, gibt es die dunkle Wasseroberfläche frei, was wiederum den Schmelzprozess verstärkt. Welcher Effekt welchen Einfluss hat, ist derzeit noch Spekulation. „Der Arktische Ozean ist bis in mehrere Kilometer Tiefe erheblich wärmer geworden. Die Mechanismen der Wärmepumpe „Arktischer Ozean“ müssen geklärt werden, um das Gesamtsystem Erde zu verstehen“, erklärt Professorin Dr. Ursula Schauer. Dank DAMOCLES werden die entsprechenden Klimamodelle besser und die Prognosen belastbarer.

