Helmholtz-Gemeinschaft

Starke Teile aus dem kalten Ofen

In der Versuchshalle am KIT kann das Team um Dr. Lambert Feher (4. v.l.) mit mehreren HEPHAISTOS-Öfen arbeiten. Foto: KIT

Viele Bauteile von Flugzeugen und Fahrzeugkarosserien sind längst nicht mehr aus Stahl, sondern aus modernen Verbundwerkstoffen. Sie bestehen aus Karbon- oder Glasfasergeflechten, die mit Spezialharzen zu einem extrem belastbaren Material verbunden werden, das Crashtests standhält, Schwingungen elastisch abfedert und dabei federleicht ist. Und das spart Treibstoff. Allerdings müssen solche Leichtbauteile bislang noch in riesigen Öfen, so genannten Autoklaven, unter hohen Drücken und Temperaturen hergestellt werden, was viel Energie verbraucht. Doch das könnte sich ändern: Der Mikrowellenofen HEPHAISTOS, der am Karlsruher Institut für Technologie in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern entwickelt wurde, wird Leichtbauteile für die Industrie in beliebiger Form und Größe produzieren können und benötigt dafür, wie Vergleichsmessungen der EADS zeigten, nur etwa ein Fünftel der Energie im Vergleich zur herkömmlichen Herstellung im Autoklav.

„Die Mikrowellen erhitzen eben gezielt nur diejenigen Teile, die auch warm werden sollen, nämlich die Leichtbaumaterialien und nur indirekt das Form gebende Werkzeug, nicht aber den Ofen selbst. Den kann man sogar noch anfassen, so kühl bleibt er“, erklärt der Projektleiter Dr. Lambert Feher vom Institut für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnik des KIT. „Das spart 80 Prozent der Energie und verbessert darüber hinaus sogar die Materialeigenschaften.“

Kern der Technik sind Mikrowellenkomponenten, wie sie auch in Haushalten verwendet werden. Sie sitzen an den Seiten von sechseckigen zylindrischen Modulen, die knapp zwei Meter im Durchmesser messen und einen Meter lang sind. Im größten Ofen der Versuchshalle sind drei Module aneinandergereiht, so dass Bauteile von bis zu drei Metern Länge aus einem Guss gefertigt werden können. Dabei entsteht im Inneren des Ofens ein nahezu homogenes Mikrowellenfeld, das sich nach Bedarf durch Ansteuerung der einzelnen Mikrowellensender auf die Form des Bauteils hin optimieren lässt. „Die Mikrowellen übertragen ihre Energie zielgerichtet auf die Karbonfasern im Verbundmaterial und regen diese wie Antennen an. Dabei erwärmt sich ihre Oberfläche und sie verbinden sich rasch und viel besser mit der umgebenden Matrix aus Kunststoffharzen“, erklärt Feher. In einem konventionellen thermischen Ofen wird die Energie dagegen ausschließlich über Wärmeleitung übertragen, die bei Karbonfasern sehr niedrig ist. Die Leichtbauteile aus dem HEPHAISTOS-Ofen haben daher auch eine extrem gute Qualität: Härte und Scherfestigkeit sind höher, die verschiedenen Lagen sind enger miteinander verbunden und nehmen den Stoß besser auf, gleichzeitig sind sie elastischer. „Offenbar führt die Mikrowellentechnik dazu, dass die Vernetzung zwischen Fasergewebe und Harzmatrix verstärkt wird“, vermutet Feher. Was allerdings genau im Inneren des Materials geschieht, sei bislang noch nicht im Detail verstanden. „Grob gesagt stellen wir uns vor, dass die Mikrowellen die Aktivierungsenergien für bestimmte chemische Reaktionen senken und sie damit in Gang bringen.“

Während des Aushärtungsprozesses beobachten Feher und sein Team mit einer Wärmekamera, wie sich die Wärme in den meist komplex geformten Bauteilen ausbreitet.Optimal ist eine gleichmäßige Erwärmung, die sich bei der Hephaistos-Technik durch programmierte Ansteuerung der Felder erreichen lässt, ein weiterer Vorteil gegenüber konventionellen thermischen Öfen.

Eine zusätzliche Förderung durch ein BMBF-Projekt von 2006–2011 ermöglicht es dem KIT-Team, der Hephaistos-Technologie den letzten Schliff zu geben und hat vor allem ausreichend starke Partner aus der Industrie mit an Bord geholt: Dazu zählen die Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS und GKN Aerospace, die Chemiekonzerne BASF und Hexion, der Fahrzeughersteller Porsche, sowie die Composite-Hersteller SGL Brakes und Fritzmeier Composites. Am Versuchszentrum am KIT sind weitere große Hephaistos-Öfen in Planung, die auch sehr große Bauteile für die Luftfahrt fertigen können. „Wir haben die Technologie soweit entwickelt, dass sie nun von der Industrie übernommen werden kann“, sagt Feher. Und das funktioniert auch: So hat die Firma GKN Aerospace Anfang 2010 in München bereits eine Großanlage als erster Industriekunde aufgebaut.

Doch auch in der Forschung bleibt noch viel zu tun: Nicht nur die Frage, was eigentlich genau die Mikrowellenstrahlung im Verbundmaterial bewirkt, sondern auch die Optimierung des gesamten Prozesses stehen noch auf dem Programm. So sind die Berechnungen zur Ansteuerung der Mikrowellensender noch sehr anspruchsvoll: „Unser nächstes Ziel ist, die Ansteuerung der Mikrowellenfelder noch zu verfeinern, damit wir auch sehr dicke und asymmetrische Teile gleichmäßig prozessieren können“, sagt Feher.

Einblicke in die Forschung: Energie

Stille Reserven

Unter Europas Energieexperten macht ein neuer Begriff die Runde: „Shale Gas“ könnte man mit „Schiefergas“ ins Deutsche übersetzen. Gemeint ist damit Erdgas, das in dichten Tongesteinen uralter Ablagerungen steckt, mit den üblichen Methoden aber nicht gefördert werden kann. Diese lange bekannten Gasvorkommen können erst seit wenigen Jahren wirtschaftlich genutzt werden.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Salz, Beton und Druckluft: Speicher liefern Energie auf Wunsch

Solar- und Windkraftwerke richten sich selten genau nach dem Bedarf der Stromkunden. Daher sind günstige und effiziente Energiespeicher der Schlüssel für eine zuverlässige Versorgung mit regenerativ erzeugtem Strom. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickeln Wärme- und Druckluftspeicher für die Energieversorgung der Zukunft.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Siebe für das Kohlendioxid

Fossile Kraftwerke werden voraussichtlich noch lange Zeit ein Grundpfeiler der weltweiten Energieversorgung sein. Als wichtiges Element im Kampf gegen den Klimawandel könnte sich daher die Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid aus den Abgasen von Kohle- oder Gaskraftwerken erweisen. Damit dies mit möglichst geringem Energieaufwand gelingen kann, entwickeln Forscher in der Helmholtz-Allianz MEM-BRAIN unter Federführung des Forschungszentrums Jülich Membranen aus Polymer- und Keramikmaterialien.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Wendelstein 7-X schreitet voran

Einer der wichtigsten Industrieaufträge zum Bau der Fusionsanlage Wendelstein 7-X wurde im Mai 2010 abgeschlossen: die Herstellung der fünfzig supraleitenden Magnetspulen. Der Auftrag für dieses technologische Kernstück des Experiments, das zurzeit im Teilinstitut Greifswald des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) entsteht, war die bisher größte Einzelbeschaffung in der Geschichte des Instituts.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Mehr Licht für Tandemzellen

Eine Solarzelle nutzt immer nur einen Teil des Sonnenspektrums, setzt also nur ganz bestimmte Farben (Frequenzen) in Strom um. Was liegt also näher, als unterschiedliche Solarzellen aufeinanderzu stapeln, um einen größeren Anteil des Lichts in Strom umzuwandeln? Dieser Ansatz wird beim Bau von Tandemzellen verfolgt, die aus einer Topzelle und einer Bottomzelle bestehen.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Brennstoffzelle im Dauerlauf

Sie läuft und läuft und läuft. Mit 25.000 Stunden hat die Jülicher Hochtemperatur-Brennstoffzelle im Juni 2010 einen neuen Langlauf-Weltrekord erreicht. Gute Voraussetzungen, um künftig nicht nur Autos oder Laptops mit Strom zu versorgen, sondern auch Eigenheime und industrielle Prozesse. Denn Brennstoffzellen sind heiße Kandidaten für eine künftige, auch stärker dezentrale Energieversorgung.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Modelle für die Energie aus der Tiefe

Wenn die GFZ-Forscher aus mehreren Kilometern Tiefe Erdwärme an die Oberfläche holen, um elektrischen Strom zu erzeugen und Heizenergie zu liefern, stoßen sie im Wortsinn in unbekannte Regionen vor. Niemand weiß genau, wie es in der Tiefe aussieht, welche Risse und Spalten es dort gibt und wie das Geothermie-Kraftwerk den Untergrund verändert.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Bioenergie kann "Bio" werden

Aus Mais, Raps oder anderen Pflanzen kann Energie gewonnen werden, der großflächige Anbau von Energiepflanzen ist jedoch nicht automatisch umweltfreundlich. „Bioenergie wird in vielen Regionen der Erde eine Rolle spielen, aber es wird sehr darauf ankommen, wie diese Bioenergie gewonnen wird“, sagt Dr. Daniela Thrän vom Department Bioenergie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ in Leipzig.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Stroh tanken

Pflanzliche Reststoffe wie Stroh oder Holzspäne lassen sich zu hochwertigen Treibstoffen verarbeiten, dies haben Forscher des KIT bereits vor einigen Jahren im kleintechnischen Maßstab gezeigt. Die Ökobilanz solcher Synthesekraftstoffe fällt erheblich besser aus als bei Treibstoffen aus Rapsöl oder anderen Energiepflanzen, für die eigene Anbauflächen reserviert, gedüngt und bewässert werden.

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11.06.2013