Helmholtz-Gemeinschaft

Brennstoffzelle im Dauerlauf

Die in Jülich entwickelten SOFC-Zellen lassen sich zu einer "Stack" stapeln und liefern 250 W Leistung bei 700°C. Foto: Forschungszentrum Jülich

Sie läuft und läuft und läuft. Mit 25.000 Stunden hat die Jülicher Hochtemperatur-Brennstoffzelle im Juni 2010 einen neuen Langlauf-Weltrekord erreicht. Gute Voraussetzungen, um künftig nicht nur Autos oder Laptops mit Strom zu versorgen, sondern auch Eigenheime und industrielle Prozesse. Denn Brennstoffzellen sind heiße Kandidaten für eine künftige, auch stärker dezentrale Energieversorgung. Sie haben hohe elektrische Wirkungsgrade von bis zu 60 Prozent und stoßen keine schädlichen Abgase aus. „Für die durchschnittlich 5.000 Stunden währende Lebensdauer eines Automotors sind Brennstoffzellen schon gerüstet, aber im Haushalt oder für industrielle Anwendungen sind häufig Lebensdauern von über 40.000 Stunden erwünscht und das erreichen sie noch nicht“, sagt Dr. Robert Steinberger-Wilckens, Leiter des Projekts Brennstoffzelle am Forschungszentrum Jülich.

Brennstoffzellen gewinnen elektrischen Strom aus der Ladungstrennung von Wasserstoff und Sauerstoff an speziell beschichteten Elektroden und der anschließenden Reaktion des positiv geladenen Wasserstoffs mit dem negativ geladenen Sauerstoff zu Wasser. Ähnlich wie eine Batterie büßen auch diese elektrochemischen Energiewandler mit der Zeit an Leistungsfähigkeit ein, unter anderem weil die Reaktionsfreudigkeit der Oberflächen nachlässt. Am Forschungszentrum Jülich wird an Brennstoffzellen geforscht, die bei hohen Temperaturen arbeiten. Dabei ist der Elektrolyt nicht flüssig, sondern besteht aus einer keramischen Membranschicht zwischen den Elektroden. Sie lässt die negativ geladenen Sauerstoffteilchen erst bei Temperaturen von 600 bis 1.000 Grad Celsius von der einen zur anderen Elektrode passieren. Die Hochtemperaturzellen haben höhere Wirkungsgrade und die hohen Temperaturen lassen sich mit Hilfe von Kraft-Wärme-Kopplung für weitere Prozesse nutzen. Außerdem können sie mit verschiedenen Brennstoffen – neben Wasserstoff auch Erdgas oder Biogas – betrieben werden. „Allerdings bringt die hohe Temperatur auch einige Herausforderungen mit sich, denn die Materialien altern schneller“, sagt Steinberger-Wilckens. Zum Beispiel büßt die Keramik-Membran an Leitfähigkeit für Sauerstoff ein, weil sich die Kristallstruktur langsam verändert. Und die so genannten metallischen Interkonnektoren, die mehrere Zellen zu einem leistungsfähigeren Stack verbinden, oxidieren leichter und können Material abdampfen, das sich in den reaktiven Schichten ablagert und diese verstopft.

Um das zu verhindern, haben die Jülicher Forscher die Materialien entscheidend verbessert und damit die Voraussetzungen für ihren Langlaufrekord gelegt. Dank neu entwickelter Keramiken konnte die Betriebstemperatur gesenkt werden. Das wiederum erlaubt es, billigeren Stahl für die Interkonnektoren einzusetzen. In enger Kooperation mit Industriepartnern wurden zwei Spezialstähle entwickelt, die die Zelle in Kombination mit optimierten Schutzschichten wesentlich robuster machen. Außerdem haben sie das gleiche Ausdehnungsverhalten wie Keramik, so dass beim Aufheizen nur geringe mechanische Spannungen entstehen. „Der Leistungsgewinn ist deutlich und ein großer Schritt in Richtung Anwendung“, resümiert Steinberger-Wilckens.

Soll die Brennstoffzelle tatsächlich einmal eine Hauptrolle bei der Energieversorgung spielen, so muss nicht nur der Betrieb reibungslos funktionieren. Es gilt auch, die Versorgung mit Brennstoff zu sichern. Hierfür kommen Wasserstoff aber auch Methan aus Erdgas, Biogas, Klär- oder Deponiegas oder Dieselreformate in Frage. Als Hauptproblem erweisen sich die Speicherung des Wasserstoffs und der (Energie-) Aufwand bei der Herstellung des Brennstoffs.

Während PKWs künftig gänzlich mit Wasserstoff fahren könnten, werden viele LKWs, Schiffe oder Flugzeuge auf absehbare Zeit weiter mit fossilen Kraftstoffen angetrieben. Allerdings bieten sich Brennstoffzellen als effiziente Alternative zu Lichtmaschinen oder Generatoren an, um den Bordstrom für Kühlaggregate, Klimaanlagen oder die Bordelektronik zu liefern.

Hierfür können sie auch mit den bereits vorhandenen Kraftstoffen betrieben werden. Schlüssel dafür ist ein so genannter Reformer, der aus LKW-Diesel oder Kerosin ein wasserstoffhaltiges Gas als Brennstoff für die Brennstoffzellen erzeugt.

Jülicher Forscher um Dr. Ralf Peters haben dafür einen besonders effektiven und langlebigen Reformer entwickelt. Der Trick: Diesel wird in sehr feinen Tröpfchen in eine speziell geformte Kammer gesprüht und mit heißem Wasserdampf und Luft vermischt, bevor er – wie bei einem Autokatalysator – über eine reaktive Oberfläche geleitet wird, wo er sich in Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid zerlegt. Um die Wasserstoffausbeute zu optimieren, haben die Forscher das komplexe Strömungsverhalten am Jülicher Supercomputer berechnet und so den innovativen Reformer entwickelt. Denn erst in Kombination mit solchen Elementen können Brennstoffzellen ihre vielseitigen Talente entfalten.

Einblicke in die Forschung: Energie

Starke Teile aus dem kalten Ofen

Viele Bauteile von Flugzeugen und Fahrzeugkarosserien sind längst nicht mehr aus Stahl, sondern aus modernen Verbundwerkstoffen. Sie bestehen aus Karbon- oder Glasfasergeflechten, die mit Spezialharzen zu einem extrem belastbaren Material verbunden werden, das Crashtests standhält, Schwingungen elastisch abfedert und dabei federleicht ist. Und das spart Treibstoff.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Stille Reserven

Unter Europas Energieexperten macht ein neuer Begriff die Runde: „Shale Gas“ könnte man mit „Schiefergas“ ins Deutsche übersetzen. Gemeint ist damit Erdgas, das in dichten Tongesteinen uralter Ablagerungen steckt, mit den üblichen Methoden aber nicht gefördert werden kann. Diese lange bekannten Gasvorkommen können erst seit wenigen Jahren wirtschaftlich genutzt werden.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Salz, Beton und Druckluft: Speicher liefern Energie auf Wunsch

Solar- und Windkraftwerke richten sich selten genau nach dem Bedarf der Stromkunden. Daher sind günstige und effiziente Energiespeicher der Schlüssel für eine zuverlässige Versorgung mit regenerativ erzeugtem Strom. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickeln Wärme- und Druckluftspeicher für die Energieversorgung der Zukunft.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Siebe für das Kohlendioxid

Fossile Kraftwerke werden voraussichtlich noch lange Zeit ein Grundpfeiler der weltweiten Energieversorgung sein. Als wichtiges Element im Kampf gegen den Klimawandel könnte sich daher die Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid aus den Abgasen von Kohle- oder Gaskraftwerken erweisen. Damit dies mit möglichst geringem Energieaufwand gelingen kann, entwickeln Forscher in der Helmholtz-Allianz MEM-BRAIN unter Federführung des Forschungszentrums Jülich Membranen aus Polymer- und Keramikmaterialien.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Wendelstein 7-X schreitet voran

Einer der wichtigsten Industrieaufträge zum Bau der Fusionsanlage Wendelstein 7-X wurde im Mai 2010 abgeschlossen: die Herstellung der fünfzig supraleitenden Magnetspulen. Der Auftrag für dieses technologische Kernstück des Experiments, das zurzeit im Teilinstitut Greifswald des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) entsteht, war die bisher größte Einzelbeschaffung in der Geschichte des Instituts.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Mehr Licht für Tandemzellen

Eine Solarzelle nutzt immer nur einen Teil des Sonnenspektrums, setzt also nur ganz bestimmte Farben (Frequenzen) in Strom um. Was liegt also näher, als unterschiedliche Solarzellen aufeinanderzu stapeln, um einen größeren Anteil des Lichts in Strom umzuwandeln? Dieser Ansatz wird beim Bau von Tandemzellen verfolgt, die aus einer Topzelle und einer Bottomzelle bestehen.

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Modelle für die Energie aus der Tiefe

Wenn die GFZ-Forscher aus mehreren Kilometern Tiefe Erdwärme an die Oberfläche holen, um elektrischen Strom zu erzeugen und Heizenergie zu liefern, stoßen sie im Wortsinn in unbekannte Regionen vor. Niemand weiß genau, wie es in der Tiefe aussieht, welche Risse und Spalten es dort gibt und wie das Geothermie-Kraftwerk den Untergrund verändert.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Bioenergie kann "Bio" werden

Aus Mais, Raps oder anderen Pflanzen kann Energie gewonnen werden, der großflächige Anbau von Energiepflanzen ist jedoch nicht automatisch umweltfreundlich. „Bioenergie wird in vielen Regionen der Erde eine Rolle spielen, aber es wird sehr darauf ankommen, wie diese Bioenergie gewonnen wird“, sagt Dr. Daniela Thrän vom Department Bioenergie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ in Leipzig.

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Einblicke in die Forschung: Energie

Stroh tanken

Pflanzliche Reststoffe wie Stroh oder Holzspäne lassen sich zu hochwertigen Treibstoffen verarbeiten, dies haben Forscher des KIT bereits vor einigen Jahren im kleintechnischen Maßstab gezeigt. Die Ökobilanz solcher Synthesekraftstoffe fällt erheblich besser aus als bei Treibstoffen aus Rapsöl oder anderen Energiepflanzen, für die eigene Anbauflächen reserviert, gedüngt und bewässert werden.

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11.06.2013