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Helmholtz Perspektiven Jan 2015

Helmholtz Perspektiven Januar – Februar 2016 21FORSCHUNG cherheit in der Lebensplanung, die es in der heuti- gen Gesellschaft gibt.“ Denn auch die Gemütslage wirkt sich auf die Schlafqualität aus. Alfred Wiater fasst die wichtigsten Parame- ter für gesunden und erholsamen Schlaf zusam- men unter Schlafhygiene und Schlafumgebung: „Schlafhygiene beinhaltet, dass wir physisch und emotional entspannt zu Bett gehen, weder hungrig noch übersättigt, ohne Stimulantien wie Tee, Kaffee oder Nikotin und ohne die schlafstörende Wirkung des Alkohols.“ Ein probates Mittel, um gegen die Folgen einer wenig erholsamen Nacht anzukämpfen, ist übrigens der Mittagsschlaf. „Dieser ist zur Gesamtschlafzeit hinzuzurechnen“, sagt Alfred Wiater. „Er ist in der Regel nicht so erholsam wie der Nachtschlaf, kann aber durchaus der kurzen Regeneration und Leistungsverbesse- rung dienen.“ Rebecca Winkels Wie lange und wie gut Menschen schlafen, ist von vielen äußeren Faktoren abhängig: ein unbequemes Bett, temperaturschwankun- gen oder bestimmte Lichtverhältnisse können den schlaf erheb- lich stören. „Das sind allerdings Faktoren, die sie selbst regulieren und abstellen können“, sagt uwe Müller vom Deutschen zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der studierte Physiker und seine Kollegen untersuchen dagegen einen störfaktor, der sich nicht so einfach ausschalten lässt: Fluglärm. Müller leitete ein teilprojekt der nORAH-studie – kurz für noise-Related Annoyance, Cognition, and Health-studie. zwischen 2011 und 2013 untersuchten die Wissenschaftler das schlafverhalten von über 200 Personen in der Region um den Frankfurter Flughafen. Das Besondere: Die erste Messung fand schon vor der einführung der Kernruhezeit von 23 bis 5 uhr und der Inbetriebnahme einer zusätzlichen Landebahn statt. „Wir haben sowohl die Körpersignale während des schlafs aufgezeichnet, als auch die Geräusche, die während der nacht zu hören waren“, sagt Müller. „Dadurch konnten wir sehen, wie tief die teilnehmer schliefen und wie sie auf die Überflüge von Flug- zeugen und den dadurch steigenden Lärmpegel reagierten.“ Im schnitt wacht jeder Mensch zwischen 20- und 25-mal in der nacht auf. studien zufolge kann man sich in der Regel am nächsten Morgen aber nur dann daran erinnern, wenn man dabei länger als 90 sekunden wach war. „Lärm sorgt dafür, dass die be- wussten und auch die unbewussten Aufwachreaktionen zunehmen und unser normaler schlafzyklus verändert wird“, sagt uwe Müller. Der schlaf sei dann weniger erholsam. und auch das Risiko für Depressionen und Herz-Kreislauf-erkrankungen steige langfristig. sicher ist: Fluglärm ist nicht gut für den Körper. Die nORAH- Daten belegen, dass selbst dann körperliche Reaktionen auftreten, wenn Menschen meinen, sich an den Lärm gewöhnt zu haben. Flugverbote in der nacht könnten Abhilfe schaffen, sind aber längst nicht überall verordnet. Die studie zeigt allerdings auch, dass der Fluglärm allein nicht darüber entscheidet, ob sich die Anwohner müde fühlen oder nicht. In der studie wurde das sub- jektive schläfrigkeitsempfinden mit einem Fragebogen auf einer 9-stufigen skala von 1 (sehr wach) bis 9 (sehr müde) gemessen. „Obwohl die Aufwachreaktionen unserer Probanden seit der einführung der Kernruhezeit in Frankfurt weniger geworden sind, gaben sie an, sich am nächsten Morgen noch genauso schläfrig zu fühlen“, sagt Müller. Was genau hinter diesem ergebnis steckt, müssen die Forscher noch weiter untersuchen. Bei der Diskussion rund um Lärmschutz in Flughafennähe spielten laut Müller unterschiedliche Interessen eine große Rolle. er fordert deshalb einen ehrlicheren Diskurs: „es muss einfach ein gesellschaftlicher Konsens darüber erzielt werden, wie wichtig der wirtschaftliche Mehrwert des durchgängigen Flugverkehrs ist, und dem müssen die Risiken, die er für die Bevölkerung bedeutet, ge- genübergestellt werden.“ Bisher werde die Diskussion sehr emo- tional geführt, kritisiert er. „Die Daten, die wir und andere studien erheben, werden von beiden seiten sehr selektiv ausgewertet.“ Mehr Informationen zur nORAH-schlafstudie: www.norah-studie.de/s2d s C H L A F s t ö R u n G D u R C H F L u G L ä R M – D e R V e R s t e C K t e s t R e s s Ohrenbetäubend In einer Lärmschutzhalle haben DLR-Forscher Lärm verursa- chende Strömungen hinter den Treibwerken untersucht. Bild: DLR (CC-BY 3.0)

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