05.10.2012 Helmholtz-Geschäftsstelle
„Radaraugen im All“ – Helmholtz-Zentrum für Deutschen Zukunftspreis nominiert
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ein Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft, ist mit dem Projekt „Radaraugen im All – revolutionäre Technik für Erde und Umwelt" für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden. Für den Vorstoß in die nächste Generation der Radartechnologie haben Prof. Alberto Moreira und seine Teamkollegen mit der digitalen Radarantenne eine neue Aufnahmetechnik entwickelt. Die Antenne erweitert das Blickfeld eines Radarsatelliten und steigert dadurch dessen Abbildungsleistung um ein Vielfaches. Diese neue, revolutionäre Technik ermöglicht es, die gesamte Erde zweimal pro Woche hochaufgelöst abzubilden. Der Deutsche Zukunftspreis wird von Bundespräsident Joachim Gauck Ende November in Berlin verliehen.
"Unsere Innovationen eröffnen neue Dimensionen für die Fernerkundung aus dem All: Radarsatelliten im Formationsflug ermöglichen die dreidimensionale Abbildung der Erde, und eine digitale Radarantenne bahnt den Weg für die vierte Dimension, die Zeit: Somit können zukünftig dynamische Prozesse auf der Erdoberfläche global und in Echtzeit erfasst werden", sagt Prof. Dr. Alberto Moreira, Direktor des DLR-Instituts für Hochfrequenztechnik und Radartechnologie.
Unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten
Satelliten sind heute eine anerkannt wichtige Informationsquelle für die Erdbeobachtung und unentbehrlich für eine Vielzahl von wissenschaftlichen, kommerziellen und hoheitlichen Anwendungen. Radarsensoren besitzen einmalige Eigenschaften, indem sie jederzeit flächendeckend Bilder mit sehr hoher Auflösung aufnehmen können, unabhängig von Bewölkung, Tages- und Nachtzeit. Die Technologie ist daher auch für die Klima- und Umweltforschung sehr bedeutend, insbesondere bei Langzeitbeobachtungen. Die „Radaraugen im All" zeigen beispielsweise das Abschmelzen von Gletschern durch den Klimawandel oder ermitteln die Geschwindigkeit von Meeresströmungen. Darüber hinaus überwachen sie Ölverschmutzungen im Meer und helfen, illegalen Fischfang aufzudecken. Bei humanitären Krisen liefern die Radarsatelliten aktuelle Informationen über die Lage in der betroffenen Region.
Die nächste Generation – die Erde in 4-D
Bereits mit der laufenden Satellitenmission TanDEM-X ist ein überwältigender Erfolg gelungen. TanDEM-X ist ein revolutionäres Fernerkundungssystem, bei dem die Radarsensoren erstmals auf zwei Satelliten verteilt sind. Durch diesen Innovationssprung lassen sich schon sehr präzise Informationen über die Topografie und vertikale Struktur der Erdoberfläche gewinnen. Seit 2010 vermessen die zwei kooperierenden Radarsatelliten im Formationsflug als „Augenpaar" die Erde neu – in 3-D und mit einer Höhengenauigkeit von zwei Metern. Die mit der Nominierung ausgezeichnete Leistung führt jedoch durch die Entwicklung der digitalen Radarantenne darüber hinaus. Einen konkreten Vorschlag für die Nachfolge von TanDEM-X hat das Team auch schon entwickelt: mit der Radarsatellitenmission Tandem-L wird das System Erde und seine Dynamik mit einem Paar äußerst leistungsfähiger Radarsatelliten in bisher ungekannter Genauigkeit hochaufgelöst beobachtet.
Großes Marktpotenzial
Mit den konkurrenzlosen Produkten aus der TanDEM-X-Mission und weiteren zukunftsweisenden Entwicklungen wird Deutschland seine internationale Führungsrolle in der Radartechnologie ausbauen und ist prädestiniert, einen signifikanten Marktanteil zu erobern und damit nachhaltig Arbeitsplätze in diesem hochinnovativen Bereich zu schaffen. Die Prognosen für den Verkauf von Geodaten gehen weltweit von einer Vervierfachung des Umsatzes in den nächsten zehn Jahren aus. Allerdings befinden wir uns noch am Beginn der Marktentwicklung für Geoinformationsprodukte, die auf satellitengestützten Radardaten basieren.
Der Deutsche Zukunftspreis
Insgesamt vier Nominierungen gab die Jury am 12. September 2012 auf der Pressekonferenz im Deutschen Museum in München bekannt. Der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation wird jährlich vergeben – an Forscher und Entwickler, deren Erfindungen zu anwendungsorientierten und damit marktfähigen Produkten führen. Die prestigeträchtige Auszeichnung ist mit 250.000 Euro dotiert und wird von Bundespräsident Joachim Gauck Ende November in Berlin verliehen.
Weiterführende Links:
www.deutscher-zukunftspreis.de
www.dlr.de/hr/desktopdefault.aspx/tabid-8109
Kontakt

Janine Tychsen
Pressereferentin Kommunikation und Marketing
Helmholtz-Gemeinschaft
Geschäftsstelle Berlin
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin
+49 30 206329-24
+49 30 206329-60
janine.tychsen (at) helmholtz.de


